Medizin mit Menschlichkeit
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Gesundheitspolitik: Kalte Progression? 

Im Moment spüren Ärzte und Patienten die Auswirkungen der Murks-Gesundheitsreform der großen Koalition. So soll z. B. die fachärztliche Vergütung für eine orthopädische Praxis in Nordrhein-Westfalen pro Patient und Quartal EURO 30,11 (!), für alle Untersuchungs- und Beratungsleistungen sowie alle in der Praxis durchgeführten fachorthopädischen Therapiemaßnahmen für einen Zeitraum von drei (!) Monaten, egal wie oft der Patient die ärztlichen Leistungen in Anspruch nimmt, betragen. Befragt man Patienten was sie meinen was der Facharzt ein Arzt im allgemeinen an Vergütung bekommt, erfährt man, dass dreistellige Summen angenommen werden – man zahlt ja auch noch die Praxisgebühr aus der eigenen Tasche, da muss man doch was zurückbekommen – diese  "was bekomme ich dafür Mentalität " wird seitens der Politik schamlos ausgenutzt, die Patienten nicht aufgeklärt.

Seit über einem Jahrzehnt führt die Politik eine Auseinandersetzung mit der deutschen Ärzteschaft, die die Ärzte oft demütigt und ihnen mehr oder minder offen misstraut. Sie scheint sich darauf verständigt zu haben, überwiegend den Ärzten die Schuld an einer scheiternden Gesundheitspolitik zuzuschreiben. Einen besonderen Höhepunkt bildet die Darstellung des Gesundheits- und Sozialpolitikers Professor Dr. Karl Lauterbach in seinem Buch "Der Zweiklassenstaat". 

Sein Buch darf nicht unwidersprochen bleiben. Es gibt in vielen Bereichen einen zumindest diskussionsbedürftigen Einblick in das Denken und Handeln der heutigen Politiker gegenüber Patient und Arzt. Dieser Auseinandersetzung stellt sich der Kassenarzt und Nichtpolitiker Martin Gattermann. Er versucht, dem Leser positive Alternativen aufzuzeigen, und veranschaulicht, auf welchem fatalen Weg die heute Verantwortlichen schreiten. Auch im Blick auf die Geschichte hält er viele positive Alternativen bereit und ermuntert zum Mitdenken und zum Widerstand. Er richtet sich gleichermaßen an Patienten und Ärzte.

In einem Geleitwort zu diesem Buch schreibt Dr. Klaus Bittmann, Gründer und Mitglied des Vorstandes der "Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein" und Sprecher des "Bundesverbandes der Ärztegenossenschaften" in Deutschland:  "Dies Büchlein ist mehr als nur die Entgegnung eines Hausarztes auf das Werk  "Zweiklassenstaat " des Herrn Professor Lauterbach. Hier spricht ein Mensch aus ärztlicher Erfahrung über die Grundwerte unserer freiheitlich- demokratischen Sozialstruktur. Es wird deutlich, welche Gefahr für die Mitmenschlichkeit droht, wenn technokratisches Denken und ideologische Voreingenommenheit die Macht in unserem Lande erhalten. Verantwortung für unser berufliches Handeln, für unsere Patienten und für unsere Gesellschaft fordert Mut der Gegenrede, hier verbunden mit dem Aufzeigen von alternativen Lösungen im Sinne der Humanität, deren Wertschätzung Voraussetzung für unseren freiheitlich-demokratischen Staat ist. Lauterbach wird ernst genommen, alle Lauterbachs und deren Sympathisanten sollten mit der gleichen Ernsthaftigkeit überprüfen, ob sie mit mechanistischem und ökonomisiertem Denken in ihrer jeweiligen Funktion unserem Sozialwesen dienen oder ob sie irreparablen Schaden für unser Gemeinwohl auslösen. Dem Autor dieses Büchleins ist zu danken für seine sachliche Analyse und Stellungnahme, seinen Einsatz für den Erhalt einer humanen Gesellschaft. " Diesem Buch ist eine große Verbreitung zu wünschen, jeder Arzt sollte sich bei der  "Aufklärung der Patienten " auch dieses Büchleins bedienen und die Patienten für den Widerstand gegen dieses politische Handeln in Richtung Staatsmedizin a la DDR  "ermuntern ".  

Studie: Häufigkeit der Arztbesuche 

Eine Studie einer Ersatzkasse belegt, dass Deutsche im Schnitt 18 Mal im Jahr zum Arzt gehen (mit steigender Tendenz); nur acht Prozent kein einziges Mal (Männer 20 – 44). Im Alter zwischen 20 und 25 sieben bis acht Mal, die Altersgenossinnen circa doppelt so häufig. Säuglinge und Kleinkinder haben 15 Arztkontakte, zum Lebensende hin ab einem Alter von 85 Jahren durchschnittlich 40. Hochgerechnet und bezogen auf die rund 137.000 niedergelassenen Ärzte in Deutschland bedeuten diese Zahlen Patientenkontakte von 5,2 Millionen pro durchschnittlichem Werktag – ein Mediziner behandelt im statistischen Schnitt 38 Patienten pro Tag. Ein Ersatzkassenvertreter nennt dies ein  "bedenkliches Bild " und zog eine Verbindung zu knappen Beratungszeiten und hohen Verordnungsraten. Beunruhigend sei auch, dass mehr als die Hälfte der Patienten im Jahr vier und mehr Ärzte konsultiert hätten. Dies belege, wie wichtig eine starke Lotsenfunktion des Hausarztes sei. Wichtig sei auch, unnötige oder doppelte Untersuchungen zu vermeiden. Dem Patienten müssen z. B. Röntgenbilder und vor allem Laborbefunde in Kopie mitgegeben werden, damit zum Beispiel mehrere Laboruntersuchungen innerhalb eines medizinisch vertretbaren Zeitraumes vermieden werden. Jeder Arzt braucht auch keine eigenen Röntgenbilder anzufertigen, wenn die vorhandenen aus medizinischer Sicht noch als aktuell gelten können. Dazu gehört aber, dass besonders die Patienten entsprechend angehalten (erzogen!) werden und ihre eigenen Unterlagen sorgfältig aufbewahren und zu jedem Arztbesuch bei einem anderen Arzt mitnehmen – vielleicht ist die Gesundheitskarte doch dienlich in dieser Richtung zu wirken. 

Ärztekammer will neue Honorarordnung kippen 

Aufgrund des Drucks der Ärztebasis und der Patientenschaft sind offenbar auch die Obersten der Ärzteschaft endlich zu Aktivitäten bereit. So hat im Streit um die Ärztehonorare der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg- Dietrich Hoppe, rasche Verbesserungen für die niedergelassenen Mediziner mindest schon einmal gefordert . "Das ist ein sehr brennendes Problem", sagte Hoppe Mitte Februar und räumte ein "Es gibt Verlierer der Honorarreform." Die Arbeit in den Arztpraxen werde bereits seit Längerem vielfach unterbewertet. So sei der Anteil der Ausgaben für ärztliche Behandlungen binnen wenigen Jahren von über 20 auf etwa 15 Prozent der Gesamtausgaben für medizinische Leistungen gesunken. Obwohl Praxisärzten durch die Honorarreform 2009 insgesamt knapp 3 Mrd. mehr zur Verfügung stehen, klagen viele Mediziner über Einbußen. Wählergunstaufsteiger FDP hat nun in der siebten Kalenderwoche im Bundestag den Wahlkampf über die Gesundheitspolitik eingeleitet und leidenschaftliche Kritik aller Parteien provoziert. Bundesministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich bei der Debatte im Bundestag sehr kämpferisch und rief den liberalen Abgeordneten entgegen:  "Ihr Antrag, einen Angriff auf die gesetzliche Krankenversicherung zu starten und die gesamte Gesundheitsversorgung in ein kapitalgedecktes System zu überführen, zeigt: Sie haben nichts gelernt ". Unterstützt wurde sie vom Koalitionspartner, Unionsabgeordnete ließen in der Debatte am 12. Februar kaum ein gutes Haar an der FDP-Vorlage und bezeichneten sie teils als untauglich für mögliche Koalitionsverhandlungen. Ziel der FDP ist es, den Gesundheitsfonds rückgängig zu machen und die Finanzierung der Krankenkassen grundsätzlich auf Kapitaldeckung wie in der Privatversicherung umzustellen. Der FDPler Heinz Lanfermann (MdB) kritisierte  "Für den höchsten Zwangsbeitrag aller Zeiten gibt es immer schlechtere Leistungen und längere Wartezeiten ". Was sicher nicht über den Beitrag zur Krankenversicherung zu regeln ist. Losgetreten hatte die FDP-Bundestagsfraktion dies durch einen entsprechenden Antrag im Bundestag mit dem Titel "Für ein einfaches, transparentes und leistungsgerechtes Gesundheitswesen" - Darin weist sie auf die zunehmend schlechtere Qualität der medizinischen Versorgung hin und fordert die Bundesregierung auf, das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) zu prüfen und neu zu fassen – und die Rede zur Begründung des Antrages durch den Sprecher für Gesundheitspolitik und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit des Bundestages Daniel Bahr (MdB) überzeugte auch nicht. Wie in vielen Bereichen, so hat sich der Nachfolger des langjährig erfolgreichen und angesehenen Gesundheitspolitiker der FDP Dr. Dieter Thomae (MdB 1977 – 2004) noch nicht in die  "Philosophie " und erfolgreichen Geschichte der Gesundheitspolitik eingearbeitet und so fehlgeleitet etwas fordert, was von der Mehrheit der Fachleute und vor allem der Bürgerschaft – es sind Wähler Herr Bahr – abgelehnt wird. Da die CDU jetzt schon die Weichen für die Zeit nach der Wahl in diesem Jahr stellt und mit der FDP liebäugelt, stellt sich die Frage  "ist die FDP noch wählbar? Sicher ist, man möge uns vor einem Außenminister  "Guido " oder gar einem Bundesgesundheitsminister  "Daniel " bewahren, dann schon lieber Ulla von der SPD.

Quelle: Klaus Schwarzbach
NATUR-HEILKUNDE JOURNAL Medizin Praxis Wissenschaft 03/2009 oder als pdf (184 KB) 


Buchvorstellungen
Medizin mit Menschlichkeit Dr. Martin Gattermann

Seit über einem Jahrzehnt führt die Politik eine Auseinandersetzung mit der deutschen Ärzteschaft, die die Ärzte oft demütigt und ihnen mehr oder minder offen misstraut. Sie scheint sich darauf verständigt zu haben, überwiegend den Ärzten die Schuld an einer scheiternden Gesundheitspolitik zuzuschreiben. Einen besonderen Höhepunkt bildet die Darstellung des Gesundheits- und Sozialpolitikers Professor Dr. Karl Lauterbach in seinem Buch „Der Zweiklassenstaat”.   

Sein Buch darf nicht unwidersprochen bleiben. Es gibt in vielen Bereichen einen zumindest diskussionsbedürftigen Einblick in das Denken und Handeln der heutigen Politiker gegenüber Patient und Arzt. Dieser Auseinandersetzung stellt sich hier der Kassenarzt und Nichtpolitiker Martin Gattermannn. Er versucht, dem Leser positive Alternativen aufzuzeigen, und veranschaulicht, auf welchem fatalen Weg die heute Verantwortlichen schreiten. Auch im Blick auf die Geschichte hält er viele positive Alternativen bereit und ermuntert zum Mitdenken und zum Widerstand. Er richtet sich gleichermaßen an Patienten und Ärzte.  

Der Autor Dr. med. Martin Gattermann ist seit 25 Jahren Arzt und seit 1991 mit seiner Frau als Kassenarzt (Allgemeinund Badearzt) in St. Peter-Ording tätig. Etliche seiner überwiegend in der Standespresse erschienenen Artikel sind auch einzusehen unter www.Aerzte-im-Widerstand.de.

 Quelle:  pharma-aktuell 04/05-2008 S. 64 oder als pdf (71KB)


Pflichtlektüre für jeden Arzt:
Unwürdige und unmenschliche Situation in unserem "Gesundheitssystem"
A. Diehm 

Muss man sich mit Karl Lauterbachs "Buch" – um nicht Pamphlet zu sagen – "Der Zweiklassenstaat" überhaupt befassen? Lesen muss man es gewiss nicht, es kommt einem als Arzt fast auf jeder Seite die Galle hoch. Einer, der sich akribisch jeder seiner abstrusen Thesen angenommen hat, sie analysiert – auch das, was er wohlweislich verschwieg – und kritisch bewertet hat, ist der Allgemeinarzt Dr. med. Martin Gattermann aus St. Peter-Ording. In seinem kürzlich erschienenen Buch "Medizin mit Menschlichkeit", Untertitel: "Wie die Mächtigen die Zukunft unseres Landes verspielen, in dem sie seine Vergangenheit verachten", entlarvt er auf jeder Seite jenen in der Presse so hofierten Professor und SPD-"Gesundheitsexperten" als das ,was er ist: ein Demagoge, der unter dem Mäntelchen der Gerechtigkeit das Wahlvolk aufhetzt, in Wirklichkeit jedoch eine komplette Systemveränderung anstrebt, die aus einer Mischung aus Überwachungsstaat, schlimmer als Orson Wells "1984", sozialistischen Ambulanzen und auf Kapitalertrag geführten, privaten Krankenhauskonzernen besteht.

Gattermann geht ganz analytisch und systematisch vor. Zunächst die Thesen KaLaus zum Bildungssystem, der Kindergartenzwang mit möglichst akademisch gebildeten Erzieherinnen möchte, der die Hauptschule abschaffen will. Am meisten interessieren uns Ärzte natürlich das Gesundheitssystem, danach das Rentensystem und schließlich die Pflegeversicherung. Die Gattermannsche Erwiderung ist schön gegliedert in einzelne Kapitel. KaLaus Thesen sind kursiv deutlich gemacht, Gattermanns zerpflückenden Gegenargumente zum Teil fett gedruckt.

Im Gegensatz zum "Zweiklassenstaat" sollte Gattermanns "Medizin mit Menschlichkeit" Pflichtlektüre für jeden Arzt und jeden mündigen Bürger werden. Und das unbedingt in den Monaten vor der Bundestagswahl. Das Buch macht uns klar, in welcher schier ausweglosen Situation wir Ärzte, aber auch die Patienten, jetzt schon sind (Beispiel: Notarzt muss die soeben zur Witwe gewordenen Frau um die fälligen 10 Euro bitten, Kassen jedoch können die Praxisgebühr nach Belieben erlassen) und wie es kommen kann, wenn Demagogen an die Macht gelangen. In unserer Geschichte schrieb schon einmal ein "Politiker" ein Buch, aber kein vernünftiger Mensch in Deutschland nahm seine Thesen damals ernst.

Quelle: Der Augenarzt, 42. Jahrgang, 5. Heft, Oktober 2008, Seite 276 , als pdf (49 KB)


Leserbrief von Prof. Dr. Carl Schirren zum Artikel „Karl Lauterbach muss etwas entgegengehalten werden!“, SHÄ 9/2008, S. 26 ff.

Wohin man gegenwärtig sieht oder in Rundfunk bzw. Fernsehen hört, überall tönt einem Dr. Karl Lauterbach entgegen, damit seinem Beruf als Sprachrohr von Ulla Schmidt alle Ehre machend. Da ist es eine Wohltat, die Ausführungen des Kollegen Martin Gattermann zu lesen, der etwas „entgegenhalten“ will. Lauterbach bringt ja nichts Neues, sondern ergeht sich im Sinne des Spruches: „Wovon er besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt.“ Ich frage mich auch, ob dieser Hofnarr der Frau Schmidt sich selbst und seinem Berufsstand etwas Gutes tut, wenn er sich in dieser Form meldet. Nichtachtung würde ihn nicht treffen, ein offenes Wort, wie Martin Gattermann es praktiziert ist da sehr viel wirksamer.

Prof. Dr. Carl Schirren, Buurnstraat 13, 25938 Midlum/Föhr

Quelle: Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 11/2008, S. 6-17, oder als pdf (26 KB)


Perspectiv Ausgabe 6/2008, Der Literatur-Tipp:

Dr. Martin Gattermann*: Medizin mit Menschlichkeit

"Es war einmal…" ein gewisser Professor Karl Lauterbach, der neben seiner Beschäftigung als Berater in der Politik, für verschiedene Krankenkassen und dem Aufsichtsratsposten eines großen Klinikkonzerns noch Zeit fand, ein Buch namens "Zweiklassenstaat" zu schreiben. Darin rechnete er als Lobbyist mit anderen Lobbyisten, mit Funktionären, politischen Kollegen und nicht zuletzt mit Ärzten ab.

Die Lektüre des Buches bewog Dr. Martin Gattermann, Haus- und Badearzt aus St. Peter-Ording, so etwas wie eine groß angelegte Gegendarstellung zu veröffentlichen. In seinem Buch "Medizin mit Menschlichkeit" nimmt er gezielt einzelne Behauptungen Lauterbachs aufs Korn und legt dessen Schwarz-Weiß malende Argumentation offen.

"Medizin mit Menschlichkeit" ist aber mehr als nur das Buch eines Arztes, der sich dagegen wehrt, der Sündenbock für eine verfehlte Sozialpolitik zu sein. Gattermann macht sich stark für die Rolle der niedergelassenen Haus- und Fachärzte als Menschenkenner, Begleiter und Berater ihrer Patienten. Aber bei der Medizin macht er nicht halt: Sehr deutlich, aber immer sensibel und weitblickend legt er alle Schwachstellen unserer Systeme offen, die im Zusammenspiel zu einer zunehmenden Kälte und Entmenschlichung unserer Gesellschaft führen. Über Themen wie Bildung, Familie, Renten- und Steuersysteme und schließlich Gesundheitspolitik bewegt sich der Autor durch unseren staatlichen und sozialen Status Quo, stellt elementare Fragen, gibt pathosfreie Denkanstöße und regt somit auch vorsichtige Lösungsansätze an.

Martin Gattermann zur Motivation für sein Buch: "Ich denke historisch. Ich wollte späteren Quellensuchern den Eindruck erschweren, dass es in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts keinen Widerstand und keine Gegendarstellung zu Lauterbachs Ergüssen gegeben hätte. Wenn man so will: Ich habe versucht, auch in der Verantwortung vor der Geschichte Flagge zu zeigen. Außerdem hat es mir schlicht auch Freude gemacht, Lauterbachs Argumentation zu zerlegen."

Martin Gattermanns "Medizin mit Menschlichkeit" ist viel mehr als nur ein starkes Plädoyer für hausarztzentrierte Versorgung. Es macht deutlich, dass man über den Rand seines kleinen Tellers schauen muss, wenn man tatsächlich etwas bewegen will. QM

*Dr. med. Martin Gattermann ist seit 25 Jahren Arzt und seit 1991 mit seiner Frau als Kassenarzt in St. Peter-Ording niedergelassen. Etliche seiner überwiegend in der Standespresse erschienenen Artikel sind einzusehen unter www.aerzte-im-widerstan.de 

"Medizin mit Menschlichkeit" ist unter der IsBn-nr. 978-3-9803953-3-5 zum preis von 10,00 Euro im Buchhandel erhältlich; z. B. www.amazon.de

Quelle: Perspectiv Ausgabe 6 2008, Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein eG Ausgabe 06/08 oder als pdf (124 KB)


Dr. med. Svante Gehring, Hausarzt, Norderstedt, August 2008

In Norddeutschland kennt ihn jeder, den Hausarzt Dr. Martin Gattermann aus St. Peter-Ording, der uns seit Jahren durch seine kritischen Beiträge und Essays in der regionalen (Fach-)Presse genügend Anlässe gab, über die gegenwärtige gesellschafts- und gesundheitspolitische Entwicklung nachzudenken. Er ist einer der ersten Ärzte gewesen, der sich gegen Praxisgebühr, DMP, Hausarztvertrag, Bürokratie und Behördenwillkür wehrte und die UnderDOCs ins Leben rief. Sein jetziger Schritt, gegen Lauterbachs "Zweiklassenstaat" mit einem eigenen Buch anzutreten, ist noch weit mutiger, denn die Gegenwehr des/der "Mächtigen" wird nicht lange auf sich warten lassen.

Lauterbach versucht die politisch gescheiterte soziale Gesetzgebung der vergangenen Jahre, die er mit zu verantworten hat, der Beamten- und Ärzteschaft in die Schuhe zu schieben, um diese im Namen der sozialen Gerechtigkeit abzuschaffen. Gattermann entlarvt diese unlauteren Absichten und dazu muss er keine einzige Studie nennen, nicht wie sein Gegenüber behaupten, unterstellen oder denunzieren, es reicht hier der gesunde Menschenverstand, gepaart mit einer ärztlichen Kompetenz, die sich von jeher in Empathie und Menschlichkeit einbetten. Hier widerspricht ein Kollege, der seine Erfahrungen innerhalb des Systems mit Menschen gemacht hat, einem Kollegen, der von außerhalb (oder von oben herab) betrachtet und mit Zahlen und Statistiken jongliert, um seine eigenen Interessen als zweifelhafter Gesundheitsökonom und Berufspolitiker oder die der Rhön-Kliniken, Krankenkassen und Bertelsmänner (bzw. -frauen) als getarnter Lobbyist durchzusetzen. Dar über hinaus unterbreitet Gattermann entwaffnend einfache Gegenvorschläge, die unsere Freiheit und Demokratie nicht weiter gefährden, wie die meisten Vorschläge Lauterbachs.

Dieses Buch ist für jeden eine Pflichtlektüre, der Lauterbach gelesen oder gar geglaubt hat. Es sei darüber hinaus den Kolleginnen und Kollegen ans Herz gelegt, die ihren eigenen Standpunkt gerne einmal überprüfen. Einmal in der Hand, möchte man es ohnehin nicht wieder aus dieser legen, da es gut lesbar und mit anregendem Stil uns neugierig auf die nächsten Enthüllungen und Gegenvorschläge Gattermanns macht.

Ich werde es auch meinen Patienten empfehlen, es kostet ja nur zehn Euro und damit nicht ganz zufällig genauso viel, wie der Eintritt in meine Praxis. Sie sollen verstehen, wie unser ehemals weltweit gerühmtes Gesundheitssystem den Interessen unserer Berufspolitiker und der inter nationalen Großfinanz geopfert wird.

Ich hielt dieses Buch lange für überfällig und habe diesem Werk bereits Tribut gezahlt, als ich bei mangelnder Unterstützung von Martin Gattermann als 2. Vorsitzender mein Amt als 1. Vorsitzender der UnderDOCs hinwarf. Diesen berufspolitischen Wegezoll möchte ich nun mit der schnellen Verbreitung des Buches gut investiert sehen, zumal Lauterbach weiter von Talkshow zu Talkshow reist und von Journalisten nach wie vor hofiert wird. Viel Zeit bleibt uns nicht mehr und es steht viel auf dem Spiel, wenn nicht alles.

Quelle: Nordlicht aktuell, 08/2008, Seite 32 oder als pdf (341 KB)


Dr. Axel Brunngraber, 15.07.2008

Gattermann: Medizin mit Menschlichkeit – ein wichtiges Werk 

Mein überaus geschätzter Arzt-Kollege Martin Gattermann hat hier ein wichtiges Werk abgeliefert! Wie bereits zuvor in seinen kleineren, essayistischen Veröffentlichungen mit gekonntem Stil, neugierig lesbarem Fluß der Darstellung, mit soliden Fakten und immer wieder verblüffenden Schlüssen.

 

Warmherziger Arzt und kühler Denker zugleich, stellt er hier Befunderhebung und Diagnostik im Falle einer besonders schweren Form von "sozialpolitischer Hochstapelei" vor. Wenn man Gattermanns Buch gelesen hat, fällt es schwer, die bereits sinkende, aber immer noch erstaunlich hohe Akzeptanz des umtriebigen Prof. Lauterbach in Entscheiderkreisen zu verstehen. Und man verspürt Zorn über diejenigen, die diesen m.E. höchst oberflächlichen Akademiker und seine gefälligen Analysen im politischen Geschäft verwerten.

Angesichts seiner - z.B. von Frau Prof. Gertrud Höhler als skandalös lasch gegeißelten - bestens dotierten Aufsichtsratstätigkeit im neoliberalen Rhön-Konzern überwiegen die Glaubwürdigkeitszweifel an diesem selbsternannten, emsig die eigene PR-Trommel rührenden "Anwalt der kleinen Leute". Mit denen hat Autor und Hausarzt Gattermann nämlich in seiner Praxis täglich zu tun. Und diese sollten neugierig sein, wer in ihrem Namen diejenigen Traditionen und Strukturen demontieren hilft, aus denen ärztliche Motivation und Einsatzbereitschaft sich speisen.

Ich wünsche dem Buch möglichst viele engagierte Leser, Rezensionen, Diskussionen. Denn es ist ein Moment der intellektuellen Gegenwehr. Einer Gegenwehr gegen das aktuelle Vorhaben, den basisnahen, persönlichen Einsatz unserer Ärzte für ihre Patienten in die Hände ethisch völlig indifferenter börsennotierter Konzerne und ihrer geplanten Filialketten-Industrie zu legen. Und hierfür zuvor die freien Ärzte abzuschaffen. Möge das aufklärerische Licht des Buches hier Einiges zur Vereitelung derartiger Heuschreckenpläne beitragen!

 Quelle: www.Facharzt.de, Di, 15.07.2008 07:32 / Dr. Axel Brunngraber